1. Advent: Vom geistigen Eigentum und dem Recht des Urhebers

Was ist Geist?

Viele kreative Menschen berufen sich gerne auf ihr geistiges Eigentum. Was ist das eigentlich? Genetiv: Wessen Eigentum? Eigentum des Geistes. Was ist Geist?

Ein ungewöhnlicher Einstieg in eine Weihnachtsgeschichte. Meine Weihnachtsgeschichte. Sie begann eigentlich schon im letzten Jahr. Da war ich nämlich ein Weihnachtsgeschenk. Die beste Freundin meiner ältesten Tochter hat mich an ihre kleine elfjährige Schwester Nani verschenkt. Sie will Sängerin werden, hat ein eigenes Lied geschrieben, das sie gerne mal richtig gut aufnehmen will. Ich kam als Weihnachtsgeschenk wohl ganz gut an. Gleich nach Weihnachten haben wir uns getroffen. Zuerst wollte sie ein Cover von Whitney Houston aufnehmen. Aber wir konnten uns schnell auf ihr eigenes Lied einigen. Die Harmonien waren einfach umzusetzen. Ich hatte sofort einen Soundmix von Silbermond mit mehr Gitarre und Piano im Kopf. Das Grundgerüst war schnell eingespielt, zwei Takes von Nani mit einer zweiten Stimme – die Aufnahmesession war schnell fertig. Mit nachgedrehten Playback-Videoaufnahmen war der Song dann Mitte Januar auch als Musikvideo produziert.

Ist das nicht irre? Abgesehen davon, dass mir mein Werk sehr gefällt – da schreibt ein elfjähriges Mädchen ein Lied über den Geist. Aus der Sicht des Geistes. In einer Zeit, in der die Geschäftsmodelle geistiger Werke von bösen Raubkopierern und Dieben geistigen Eigentums bedroht werden. Das ist doch ordentlich Stoff für eine Weihnachtsgeschichte, oder? – Oder der Anlass sich mal damit grundlegend auseinanderzusetzen.

Geist (griechisch πνεῦμα pneuma,[1] griechisch νοῦς nous[2] und auch griechisch ψυχή psyche,[3] lat. spiritus,[4] mens[5], animus bzw. anima,[6] hebr. ruach und arab. ruh, engl. mind, spirit, franz. ésprit) ist ein aus historischen Gründen uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache.[7]
Im Zusammenhang mit Bewusstsein kann man grob zwischen zwei Bedeutungskomponenten des Begriffs „Geist“ unterscheiden:

  • Bezogen auf die allgemeinsprachlich „geistig“ genannten kognitiven Fähigkeiten des Menschen bezeichnet „Geist“ das Wahrnehmen und Lernen ebenso wie das Erinnern und Vorstellen sowie Phantasieren und sämtliche Formen des Denkens wie Überlegen, Auswählen, Entscheiden, Beabsichtigen und Planen, Strategien verfolgen, Vorher- oder Voraussehen, Einschätzen, Gewichten, Bewerten, Kontrollieren, Beobachten und Überwachen, die dabei nötige Wachsamkeit und Achtsamkeit sowie Konzentration aller Grade bis hin zu hypnotischen und sonstigen tranceartigen Zuständen auf der einen und solchen von Überwachheit und höchstgradiger Geistesgegenwärtigkeit auf der anderen Seite.
  • Mit religiösen Vorstellungen von einer Seele bis hin zu Jenseitserwartungen verknüpft, umfasst „Geist“ die oft als spirituell bezeichneten Annahmen einer nicht an den leiblichen Körper gebundenen, nur auf ihn einwirkenden reinen oder absoluten, transpersonalen oder gar transzendenten Geistigkeit, die als von Gott geschaffen oder ihm gleich oder wesensgleich, wenn nicht sogar mit ihm identisch gedacht wird. Heiliger Geist wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der als Person gedachte, symbolisch als Taube oder als Auge dargestellte „Geist Gottes“ genannt.

Die Frage nach der „Natur“ des Geistes ist somit ein zentrales Thema der Metaphysik.

[http://de.wikipedia.org/wiki/Geist]

Ich bin selbstbestimmt.

René Descartes propagierte die dualistische Unterscheidung der Welt in Materie und Geist. Die Existenz des Menschen gründete er mit der bekannten Aussage: „Cogito ergo sum.“ Ich denke, also bin ich. Eine einfache Erkenntnis, der sich auch Monotheisten, Idealisten, Materialisten und all die anderen „-isten“ problemlos anschließen können. Es ist der Geist, der uns mit unserem Bewusstsein, unserer Psyche, unserem Verstand, unserem Erinnerungsvermögen, unseren Gefühlen, der Verarbeitung von Informationen definiert. Und wem gehört dieser Geist? Da kann es nur eine Antwort geben: mir. Ist das nicht großartig?

Es ist mein Geist, der mich bestimmt. Und damit ist die Eigentumsfrage zweifelsfrei und unumstößlich belegt. Ich bin der Eigentümer meines Geistes wie alle anderen die Eigentümer ihres Geistes sind, wenn wir selbstbestimmt sind. Ich kann Ideen, Gedanken, Gefühle mit anderen teilen. – Ist das nicht noch viel großartiger?

Spielt es dabei eine Rolle, woher die Ideen, Gedanken und Gefühle kommen? – Ja und Nein.

Ja, es interessant, wichtig, wertvoll und aufschlussreich zu wissen, woher die Ideen, Gedanken und Gefühle kommen. Gibt es einen Urheber? Wenn ja, wer ist es? Wenn die Ideen, Gedanken und Gefühle des Urhebers für mich nützlich sind, gebührt ihm mein Dank, Respekt und Anerkennung. Ebenso hat der Urheber das Recht auf Anerkennung, Respekt und Dank.

Nein, denn es spielt keine Rolle in Hinsicht auf das Eigentum. Der weit überwiegende Teil meiner Ideen, Gedanken und Gefühle wird über äußere Informationen und Reize induziert. Aber auch wenn ich fremde Informationen aufnehme, denke, reflektiere und verarbeite ich ausschließlich meine eigenen Gedanken und Gefühle. Mit meinem Geist. Und diese Eigentumsfrage hatten wir schon zweifelsfrei und unumstößlich geklärt.

Fazit: Es gibt ein Recht des Urhebers, und die Frage des geistigen Eigentums ist geklärt.

Ach ja? Warum gibt es dann Urheber, die behaupten, ich würde ihn bestehlen, wenn ich seine Ideen, Gedanken und Gefühle aufnehme, reflektiere und weiter bearbeite? Sollte er sich nicht viel mehr freuen, dass es jemanden gibt, der seine Ideen, Gedanken und Gefühle teilt und der ihm als Urheber danken, respektieren, ihn anerkennen und auch belohnen kann? Warum beschimpft der Urheber mich als Dieb? Schlimmer noch: Er behauptet, ich hätte seine Ideen und Gedanken auf räuberische Weise kopiert. Ich sei ein Raubkopierer. „Unter Raub wird allgemein die gewaltsame Wegnahme fremder Sachen verstanden. Der Täter, der eine solche Tat begeht, wird als Räuber bezeichnet.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Raub] Da ich weder irgendetwas wegnehme noch Gewalt anwende, kann ich dies nur als eine diskriminierende Verleumdung verstehen. Ich bin kein Räuber. Wie sollte ich denn die Gedanken dem Urheber auch wegnehmen. Mit so einem Blitz-Dings aus „Men in Black“?

Hat denn der Urheber nicht seine Gedanken mit anderen und damit direkt oder indirekt auch mit mir geteilt? Jetzt mal ehrlich. Ich habe sie als Rezipient aufgenommen – jetzt sind es meine. Ich kenn da einen Spruch: „Gegeben ist gegeben. Abgenommen ist gestohlen.“ Wenn der Urheber mich als Räuber verleumdet, womöglich noch so dreist ist und die Rückgabe seines geistigen Eigentums fordert, stelle ich fest: Urheber, die Urheberrecht aus dem Anspruch ihres geistigen Eigentum einfordern, haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Dazu sind sie noch verleumderisch und diskriminierend. Ein solches Verhalten verstehe ich als böse. Und dazu auch noch: dumm.

Das Kreative, das Schöpferische, das Schaffende erkannte nicht nur Goethe als das Göttliche in uns. Was wir als Menschen erschaffen, erdenken und entwickeln können wir teilen oder auch nicht. Dies liegt in der Entscheidung der Schöpfer. Dem Kreativen gebührt, wenn er das will, eine Belohnung – aus Dank, Respekt und Anerkennung.

Ich bin Nani dankbar für dieses Lied, und ich habe höchsten Respekt vor ihrem Werk. Nani und ich waren uns einig, dass wir das Lied unter die Creative Commons Lizenz stellen. So als eine Art Weihnachtsgeschenk für Euch.

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